Was wir von Kindern lernen können

„Bist du nicht schon zu alt dafür?“, frage ich mich doch schon das ein oder andere Mal. Ich höre gern noch Kinderkassetten auf meinem alten Kassettenrekorder, der so bunt ist, dass er einem sofort ins Auge springt. Ich bin weiterhin ein treuer Fan von Winnie Pooh, Paddington, Pettersson und Findus und Co. Mir macht das Waschen mit einem bunten Bärenwaschlappen für Kinder ein Stück weit mehr Spaß und ich kann gerne auch mal mit Freunden und besonders den Freundinnen albern sein. Ich kann und tue das alles … aber ich glaube, in mancher Hinsicht kann ich doch von Kindern noch deutlich mehr lernen.

5 Dinge, die wir von Kindern lernen können:

1. Die Umwelt ausblenden und den Moment genießen

Wenn ich Kinder um eines beneide, dann ist es die Tatsache, wie sie alles um sicher herum ausblenden und ihre ganze Aufmerksamkeit und Konzentration in den Moment stecken. Alles was zählt, ist der Moment, nicht die Fragen zu morgen, übermorgen und nächste Woche. Dafür gibt es andere – kommende – Momente. Und auch die Vergangenheit ruht, kein Blick zurück, in die Richtung geht es nämlich nicht!

2. An (kleine) Wunder glauben

Kinder sind voll von magischem und zauberhaftem Denken. Sie erschließen und verarbeiten damit ihre Eindrücke. In ihrer Fantasie ist einfach alles möglich; das Bett, das plötzlich zum Schiff auf großer See wird, ein Monster unter dem Bett oder auch wahre Geschichten von Weihnachtsmann, Osterhase und Co. Kinder glauben daran, weil sie wollen und können. Wir brauchen nun nicht plötzlich auch hoffen, dass der Weihnachtsmann für uns die Geschenke bringt, aber ein wenig mehr Glaube an das Gute und schöne Unverhoffte würde uns doch gut tun. Schon mal ein wenig Abstand genommen und geschaut, aus wie vielen kleinen und großen Wundern die Welt besteht?
Wenn nicht hilft der Song von Materia „Welt der Wunder“ vielleicht ein wenig dabei:„Denn wir leben auf einem blauen Planet, der sich um einen Feuerball dreht, mit ’nem Mond der die Meere bewegt und du glaubst nicht an Wunder? Und du glaubst nicht an Wunder?! Ein Schmetterling schlägt seine Flügel, die ganze Erdkugel bebt, wir haben überlebt und du glaubst nicht an Wunder?“

3. Nicht alles muss einer Logik folgen

Wie oft habe ich mich dabei erwischt, dass ich Dinge einfach nicht verstanden habe und wahnsinnig unglücklich darüber war. Es muss doch für alles eine Erklärung geben, alles macht Sinn, die Welt ist wissenschaftlich erklärbar und alles ist Schritt für Schritt, Detail für Detail nachvollziehbar. Das mag sein … aber müssen wir wirklich immer all diesen Logiken bis ins kleinste Detail folgen? Schöne Dinge erkennen und genießen und nicht hinterfragen, wie wir zu dieser Ehre gekommen sind, unschöne Dinge erkennen, akzeptieren und abhaken können, das wäre was. Ist eine Überinterpretationsfunktion wirklich nötig?

4. Ehrlichkeit

„Warum hast du so eine rote Stelle am Kinn?“, diese Frage von einem kleinen Jungen werde ich nie vergessen. Da spricht der doch tatsächlich meine Pickel an, wirklich?! Inzwischen muss ich grinsen, wenn ich daran zurück denke. Was für eine Ehrlichkeit, was für eine Neugierde, Wissbegierde und Interesse an der Welt!
Wenn mich eine Freundin fragt, ob wir uns sehen, sie habe viel zu erzählen und ich habe eigentlich eher weniger die Lust dazu, so würde ich doch in den meisten Fällen zusagen. Aus Höflichkeit, sie ist ja schließlich eine enge Freundin. Ein Kind würde das nicht verstehen; warum zusagen, wenn man keine Lust hat? Ich wünschte, in der ein oder anderen Situation könnte ich mir ein wenig mehr Ehrlichkeit bewahren und „nein“ sagen können, wenn es mir doch eigentlich passender und authentischer erscheint.

5. Vorurteilsfreiheit

Ich saß vor gar nicht also langer Zeit im Wartezimmer beim Arzt, als ein kleines Mädchen ihre Mutter fragt: „Mama, warum ist der Mann so dunkel?“ und zeigt dabei auf den farbigen Mann gegenüber. Der Mutter war das sichtlich unangenehm und das ganze Wartezimmer wartete gespannt auf ihre erklärende Antwort. Der Mann übernahm das Wort, erklärte dem Mädchen, dass er aus Afrika stamme und dort die Menschen eine dunklere Haut haben, es schütze sie vor der Sonne. Das Mädchen hörte gespannt zu und erzählte schließlich vom kommenden Sommerurlaub in der Sonne und dass sie dann auch dunkel nach Hause kommen würde, außer es würde die ganze Zeit regnen. Es war eine herrliche Situation und die Reaktion des Mädchens war so echt und frei. Wieso schaffen wir Erwachsenen das nicht? Was lässt einige von uns glauben, sie seien anders oder gar „bessere“ Menschen? Was lässt einige von uns ernsthaft denken, dass Menschen, die vor Armut und Krieg fliehen in einem neuen Land, in dem auch wir leben, grundsätzlich keine Chance kriegen sollten? Ich bin mir sicher, ein Kind würde das nicht so schnell verstehen.

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