Prokrastination? Dann aber richtig!

Ich hätte diesen Blogbeitrag schon deutlich eher schreiben können, er könnte schon seit einigen Tagen fertig sein. Aber mir kam was dazwischen: Prokrastination. Wir verschieben und vertagen zu erledigende Dinge regelmäßig, mal mit mehr und mal mit weniger schlechtem Gewissen. Dieser Hang zur Aufschieberitis, unser innerer Schweinehund wird erst gebändigt, wenn das Panik-Monster um die Ecke kommt und unser Über-Ich uns die Leviten ließt. Man scheint so lange ein Motivationsproblem zu haben bis das Zeitproblem ganz plötzlich aus dem Busch springt.

Gute und schlechte Prokrastination?

Aber vielleicht gibt es ja Hoffnung und wir können unterscheiden zwischen guter und schlechter Prokrastination. Anstatt an einer zu erledigenden Sache zu arbeiten können wir entweder gar nichts tun (böse!), an etwas weniger Wichtigem arbeiten oder vielleicht sogar an etwas noch Bedeutenderem werkeln. Okay, zugegeben: So oft kommt Letzteres wohl nicht vor …
Wichtig ist jedoch, dass wir (in den meisten Fällen) nicht untätig, gar faul sind. Im Gegenteil: Die Wohnung von Prokrastinierenden ist meist frisch geputzt, hier und da sind sogar die Küchenschränke ausgeräumt und sauber und neu einsortiert, der Kleiderschrank ist ausgemistet, der Balkon geschrubbt, die Eltern freuen sich über die langersehnten ausführlichen Anrufe und mit den Freunden hat man sich entweder über Telefonate, Whatsapp-Chats oder bei einem Gespräch über’m Kaffee auf den wirklich wichtigen neusten Stand gebracht. Die Reifen des Fahrrads sind endlich aufgepumpt, das Leergut weggebraucht und die Wäsche gewaschen und aufgehangen (anstatt schnell in den Trockner zu schmeißen). Die ganz hart Gesottenen beginnen sogar sich im August schon Gedanken über die Weihnachtsgeschenke zu machen. Auffallend ist also: Wir sind nicht faul im Sinne von untüchtig, wir erledigen Dinge die alles andere als von Faulheit zeugen, nein, sie sind sogar selbst Gegenstand unserer Prokrastination. Oder wer spült gern, schrubbt den Balkon, putzt die Fenster oder pumpt die Fahrradreifen auf?! Okay gut … die ganz arg Faulen, die resignieren, mag es auch geben. Die erfreuen sich eben am Nichts tun.

Prokrastination vs. kreatives Betrügen?

Wichtige Randnotiz: Prokrastinierende sind pflichtbewusst! Sie nehmen ihre Aufgaben ernst. Es kostet viel Anstrengung Dinge aufzuschieben, von denen man weiß, wie wichtig und bedeutend sie sind. Das ist ihnen total bewusst. Wir finden Entschuldigungen, warum wir die ach-so-wichtigen Aufgaben nicht (sofort) erledigen müssen. Betrügen wir uns also selbst auf eine ganz persönlich kreative Art und Weise? Vielleicht nicht ganz. Der Unterschied liegt im Vertrauen zu uns selbst. Wir betrügen uns nicht direkt, wir sind uns unseren Aufgaben bewusst. Und in den meisten Fällen, wenn das Panik-Monster mit dem Zeitproblem winkt, werden wir ganz plötzlich und ganz kreativ tätig. Wie sagte Bill Gates noch so schön?

„I will always hire a lazy person to do a difficult job – because he will find an easy way to do it.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.