Ich habe mich entschieden und sage „vielleicht“.

„Sag mal, was ist eigentlich deine Lieblingsfarbe?“ – „Bunt!“, das war lange Zeit meine Antwort. Wie sollte ich mich auch bei all den vielen schönen Farben entscheiden können, gar eine einzige rauspicken? Wie soll ich eine Entscheidung treffen, ein Urteil von endgültigem Charakter? Mit der Zeit lernte ich, dass es absolut okay ist, wenn sich meine Meinung über meine Lieblingsfarbe ständig ändert. Etwas anders sieht es bei großen Entscheidungen aus.

Von der Qual, sich nicht entscheiden zu können

Oscar Wilde sagte einmal: „Im heutigen Leben bedeutet Spielraum alles.“ Ohja, und was für einen Spielraum wir haben. Wir können zwischen tausenden von Lebensmitteln im Supermarkt entscheiden, haben genauso viele Möglichkeiten an unterschiedlichen Filmen auf Netflix, Maxdome und Co., die uns am Abend bespaßen sollen (all die Serien nicht zu vergessen!). Wir können ganz unterschiedliche Ausbildungen nach der Schule und mindestens genauso viele verschiedene Studiengänge beginnen. Wie soll ich mich dort entscheiden können? So ganz endgültig? Welches Sofa soll es nun sein, nein, erst mal die Entscheidung in welches der vielen Möbelhäuser es gehen soll? Und was verdammt noch mal ziehe ich an?

Wenn Oscar Wilde schreibt, dass Spielraum heutzutage alles bedeutet, so gebe ich ihm Recht, dass ich mich freue, ein freier Mensch zu sein und über mein eigenes Leben (fast) alles selbst entscheiden zu können. Doch es wird immer wieder auffällig, wie schwer so was sein kann. Aber warum fällt uns das manchmal so schwer? Ist vielleicht doch die Flut an Möglichkeiten und Alternativen zu groß? War das früher vielleicht anders, wo es nicht 55 verschiedene Brötchentypen plus mindestens genauso viele verschiedene Marken und Anbieter gab? Als es noch nicht die Möglichkeit gab, all die verschiedenen Jobs anzutreten, sondern die Auswahl limitiert war? Ob das nun damals dann besser war, ist wiederum eine andere Frage.

Keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung

Beschäftigen wir uns mal mit den wichtigeren Entscheidungen (nicht, dass die Wahl des passenden Kleidungsstück für das 1. Date nicht bedeutend wäre!). Oftmals verfallen wir in ein tiefes Grübeln. Und auffallend ist: Unser Grübeln ist in die Vergangenheit gerichtet. Damals, da hat man mal eine richtig blöde Entscheidung getroffen. Oder vor 2 Jahren, als man den blöden Fehler gemacht hat und sich vollkommen getäuscht hat. Oder: Könnte ich mich noch ein mal umentscheiden, würde ich … Wie soll das nur bei diesem Entschluss heute enden?! Hätte, Könnte, Wollte, das hilft nicht mehr, ebenso wenig der Blick in die Vergangenheit. Das ist nicht die Richtung in die wir gehen! Uns nicht zu entscheiden, macht oft unglücklich, nervös und lässt uns diese eine wichtige Sache nicht aus dem Kopf gehen. Irgendwann ist es einfach an der Zeit Nägel mit Köpfen zu machen. Und tun wir dies nicht, so ist keine Entscheidung auch eine Entscheidung. Und damit ist nicht nur die Entscheidung gemeint sich nicht zu entscheiden. Oftmals erledigen sich die Dinge dann von selbst und das in eine Richtung, die uns meist überhaupt nicht gefällt. Also lieber ran an die Sache, meinetwegen mit Pro-und-Contra-Liste, mit Herz und Verstand, denn zu klugen Entscheidungen gehört immer auch das Kopf- und Bauchgefühl. Und nicht vergessen: Überhaupt eine Entscheidung zu treffen ist wichtig. Auch wenn sie vielleicht nicht exakt die Richtige ist, gar ganz falsch, kann es doch interessant werden und wir können für’s nächste Mal daraus lernen. Perfekt? Ich glaube, das gibt es nicht. Oder selten.

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