Bin ich ein Klischee?

Alle kennen es, einige lieben die Vorstellung, andere schütteln bei dem Gedanken daran den Kopf: Das Klischee des pink/rosa-liebenden „Püppchens“ (am Besten in blond). Während die pastelligen Rosatöne für Lieblichkeit und Romantik stehen, strahlt ein kräftiges Pink vor allem Frauenpower, Weiblichkeit und Lebensfreude aus. Im Gegensatz zu Rot wirken diese Farben weniger aggressiv, auch wenn ein knalliges Pink schnell grell und schrill erstrahlt.

Pink und schweinchenrosa, das sind ganz klar Mädchenfarben. Jedem Genderexperte wird bei dem Gedanke daran wohl ziemlich schlecht: die künstliche Geschlechtertrennung durch perfekte Vermarktung. Links im Spielzeugregal stehen alle Artikel rund um Piraten, Fußball und Autos für die starken Jungs, während rechts ein Mädchentraum in pink und rosa mit Prinzessinnen und Co. wahr wird. Und auch unter den weiblichen Jugendlichen und Frauen wird der pink-rosane Trend immer beliebter: Wohnzimmer sehen aus wie ein rosa-weißes Paradies aus dem Ikeakatalog, Fingernägel erstrahlen in mindestens 30 verschiedenen „Mädchenfarben“ – von pastelligem Rosa bis hin zu knalligem Pink -, Tübchen und Cremes im Badezimmer bekommen eine dazu passende Verpackung und Aussehen, ebenso wie der Inhalt des weiblichen Kleiderschranks. Pink und Rosa soweit man sehen kann. Entweder man mag es, oder man mag es nicht. Entweder man nimmt sich dem Klischee an, oder entfernt sich vom Schubladendenken. Punkt.

Was hat das jetzt mit mir zu tun? Nun ja, ich dachte immer recht wenig. Bis gestern.

Ich entspreche einigen Klischees über Frauen: Ich rede viel und gern, manchmal ohne Punkt und Komma mit einem Hang zur Überinterpretationsfunktion. Ich habe absolut keine Ahnung von Autos und Fußball, male gerne Herzchen in meinen Kalender und habe in der ganzen Wohnung Fotos und Erinnerungen verteilt. Ich mag Pünktchen und Streifen in schönen Pastellfarben und ich bin eine Niete in Mathe. Ich widerspreche jedoch deutlich mehr typischen mädchenhaften Klischee: Ich hasse Schuhe kaufen. Meine Einparkquote ist recht gut (auch rückwärts!). Ich bin nicht sonderlich multitaskingfähig. Ich bin kein kleines, zierliches hilfsbedürftiges Figürchen und in dem Zusammenhang absolut kein Fan von Rosa und Pink. Moment …

Abgesehen davon, dass ich selbst das rosa-Klischee aus der Vorurteilskiste geholt habe, muss ich mich fragen, ob das wirklich stimmt. Ich ertappe mich selbst, wie ich mein eigenes kleines Bild von dem Klischee der rosa „Puppe“ mit blonden Haaren rauskrame und muss mich über mich selbst ärgern. Mag ich diese Farben nicht oder will ich sie nicht mögen? Und wenn ja, warum nicht? Ein Klischee, welchem ich nicht entsprechen möchte oder nicht kann? Ein Klischee, was ich eigentlich nicht unterstützen möchte? Wo ist das Problem?

Sicher ist: Pink ist nicht mein Ding, gegen ein pastelliges rosa hier und da hab ich nichts einzuwenden. Im Gegenteil. Hallo Weiblichkeit und Lieblichkeit, hier bin ich! Auch wenn du das schon etwas länger weißt und dich heimlich mit der Zeit ein wenig in meiner Wohnung eingenistet hast.

One comment

  1. annette menzel-horst

    … das muss ich hier einmal sagen/schreiben: „texten“ und stilvoll bebildern, das kannst du super gut! weiter so! PRIMA!

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